Der 8. Mai 1945 brachte die Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Für die Menschen in der sowjetischen Besatzungszone führte das Kriegsende jedoch nicht unmittelbar in Freiheit und Demokratie. Unter der sowjetischen Besatzungsmacht entstand zunächst eine neue Diktatur, die nach Gründung der DDR 1949 zur SED-Diktatur verfestigt wurde.
Richard von Weizsäcker hat diesen Unterschied in seiner Rede zum 8. Mai 1985 selbst deutlich benannt: Das Kriegsende bedeutete für die Menschen unterschiedliche Erfahrungen – Befreiung von Unrecht und Fremdherrschaft konnte auch mit dem Übergang in neue Abhängigkeit verbunden sein. Während sich in der Bundesrepublik eine freiheitliche Demokratie entwickelte, blieben Millionen Deutschen grundlegende Freiheitsrechte bis zur Friedlichen Revolution von 1989 versagt.
Politische Gegner wurden verfolgt und inhaftiert, freie Wahlen und unabhängige Medien unterdrückt und die Bewegungsfreiheit der Menschen massiv eingeschränkt. Das Ministerium für Staatssicherheit überwachte weite Teile der Gesellschaft und griff tief in das Leben vieler Menschen ein. Wer sich dem Herrschaftsanspruch der SED widersetzte, musste mit beruflichen Nachteilen, Repressionen, Zersetzungsmaßnahmen oder Haft rechnen. An der innerdeutschen Grenze und an der Berliner Mauer verloren Menschen beim Versuch, die DDR zu verlassen, ihr Leben.
Zu den weniger bekannten Opfern der SED-Diktatur gehören die Menschen, die aus dem Grenzgebiet zur Bundesrepublik zwangsweise ausgesiedelt wurden. Im Zuge der Abriegelung der innerdeutschen Grenze ließ das Regime 1952 unter dem zynischen Decknamen „Aktion Ungeziefer“ Tausende als „politisch unzuverlässig“ eingestufte Bewohner aus ihren Heimatorten entfernen. Eine weitere große Aussiedlungswelle folgte 1961 unter der Bezeichnung „Aktion Festigung“. Familien hatten oft nur wenige Stunden Zeit, ihre Häuser zu verlassen, wurden enteignet und in weit entfernte Orte im Landesinneren gebracht. Insgesamt verloren durch diese staatlich organisierten Zwangsaussiedlungen rund 12.000 Menschen ihre Heimat. Häuser und in einzelnen Fällen ganze Ortschaften im Grenzgebiet wurden anschließend abgerissen.
Eine besondere Erfahrung machten auch die Heimatvertriebenen. Fast vier Millionen von ihnen fanden nach 1945 Aufnahme in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR. Zeitweise stellten sie nahezu ein Viertel der dortigen Bevölkerung. Doch schon bald durfte ihre Geschichte kaum noch öffentlich thematisiert werden. Der Begriff „Vertriebene“ wurde durch „Umsiedler“ ersetzt, eigenständige Vertriebenenverbände konnten sich nicht bilden und die Erinnerung an Flucht, Vertreibung und die verlorene Heimat wurde aus dem öffentlichen Raum weitgehend verdrängt.
Damit mussten viele Betroffene nicht nur den Verlust ihrer Heimat bewältigen. Ihnen wurde zugleich die Möglichkeit genommen, über dieses Schicksal frei zu sprechen, ihre kulturellen Traditionen gemeinschaftlich zu pflegen und ihre Interessen selbstständig zu vertreten. Für die Zwangsausgesiedelten an der innerdeutschen Grenze kam innerhalb der DDR ein erneuter, staatlich erzwungener Heimatverlust hinzu.
Erst die Friedliche Revolution von 1989 und die Wiederherstellung der deutschen Einheit eröffneten auch hierfür wieder den Raum einer freien und demokratischen Gesellschaft.

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