Nicht alle Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Staaten Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas oder in der Sowjetunion verblieben, wollten oder konnten ihre Heimat verlassen. Viele waren dort trotz Vertreibung, Deportation, Enteignung und Diskriminierung seit Generationen verwurzelt. Sie bauten sich unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben auf, gründeten Familien und hielten – soweit dies möglich war – an deutscher Sprache, Kultur und Identität fest.
Denn Heimat ist mehr als Staatsangehörigkeit oder Abstammung. Sie entsteht durch Familie und Gemeinschaft, durch Sprache und Kultur, aber auch durch die Verbundenheit mit einer Landschaft, einem Ort und den persönlichen Erfahrungen eines Lebens. Deshalb haben sich viele Angehörige der deutschen Minderheiten bewusst dafür entschieden, in ihrer angestammten Heimat zu bleiben.
Heute leben deutsche Minderheiten in zahlreichen Staaten Europas und Zentralasiens. Bedeutende Gemeinschaften bestehen unter anderem in Polen, Rumänien und Ungarn sowie in der Russischen Föderation und in Kasachstan. Deutsche Minderheiten gibt es darüber hinaus etwa in Tschechien und der Slowakei, in der Ukraine und im Baltikum, in den Staaten des westlichen Balkans sowie in weiteren Nachfolgestaaten der Sowjetunion.
Ihre Geschichte und ihre heutige Situation unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. Gemeinsam ist vielen dieser Gemeinschaften jedoch die Erfahrung, dass Krieg, Vertreibung und die kommunistischen Diktaturen ihre gewachsenen Strukturen tiefgreifend verändert haben. Nach dem Ende des Kommunismus konnten sich vielerorts deutsche Vereine und Verbände neu gründen und Sprache, Kultur und Gemeinschaftsleben wieder freier entfalten.
Die Bundesrepublik Deutschland trägt deshalb eine besondere historische Verantwortung auch für diejenigen Deutschen, die in ihren Heimatgebieten geblieben sind. Sie unterstützt die deutschen Minderheiten dabei, ihre sprachliche und kulturelle Identität zu bewahren, ihre Gemeinschaften weiterzuentwickeln und ihre Rechte als Minderheiten wahrzunehmen.
Dabei sind die deutschen Minderheiten heute weit mehr als eine Erinnerung an die Vergangenheit. Sie sind lebendige Teile der Gesellschaften ihrer Heimatländer und vielfach Brücken zwischen Deutschland und seinen europäischen und zentralasiatischen Partnern.

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